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Nicht aus dem Katalog

Nachricht 05. März 2012
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Christoph Dahling-Sander (li.) und Thorsten Albrecht werben für den künstlerischen Wettbewerb, wenn sich Gemeinden neues Abendmahlsgerät oder andere Ausstattungsstücke für die Kirche anschaffen wollen. Bild: Jens Schulze

Kunstreferat und Hanns-Lilje-Stiftung werben für Kunstobjekte im kirchlichen Gebrauch und unterstützen Wettbewerb

Die Ausstattung einer Kirche kann entscheidend dafür sein, ob das Gotteshaus einladend wirkt. Deshalb plädieren Fachleute wie Thorsten Albrecht vom Kunstreferat der Landeskirche für eine hochwertige, künstlerische Ausgestaltung. Weder Abendmahlskelch und Patene (Oblatenteller) noch die Paramente (Altar- und Kanzelbehänge) sollten „Katalogware“ sein. Wertvoller und vor allem nachhaltiger seien Objekte aus Künstlerhand.

„Und sie müssen nicht einmal teurer sein“, plädiert Albrecht für individuell angefertigte Objekte. Sinnvoll sei ein Wettbewerb, in dem auch die Gemeinde mitreden könne. Albrecht weiß einen wertvollen Partner an seiner Seite: Die Hanns-Lilje-Stiftung unterstützt finanziell die Suche nach dem besten Künstler und Werk.

„Das Format Wettbewerb hat sich bewährt“, stellt Christoph Dahling-Sander fest. Der Sekretär der Stiftung weiß, dass in Wettbewerben der Vergangenheit „wirklich hochwertige sakrale Güter von bleibendem Wert“ geschaffen wurden. Er verweist auf die Entscheidung für Abendmahlsgeschirr in St. Johannis Nordstemmen, Steinwedel und Selsingen oder für den Osterleuchter von Grassel. Zurzeit sind weitere Anschaffungen in Wolfsburg-Dettmerode (Altarkreuz) und in der hannoverschen Marktkirche (Kelch) im Gespräch. Bis Mitte dieses Jahres können weitere Anträge gestellt werden, um mit Unterstützung der Hanns-Lilje-Stiftung mehrere Künstler aufzufordern, Entwürfe für entsprechende Objekte abzugeben.

Thorsten Albrecht weiß, dass die Möglichkeit in den Gemeinden noch zu wenig bekannt ist, deshalb werde oft „zu schnell nach Katalogware gegriffen“. Aber die Gemeinden müssen sich auch auf einen längeren Weg einstellen. Als positiven Effekt wertet er die Auseinandersetzung mit dem Künstler und seinem Vorschlag. „Das sorgt für mehr Verständnis für den künstlerischen Ausdruck“, ist Albrecht überzeugt. Dies habe ein intensiveres Verhältnis zum Objekt zur Folge.

Albrecht berichtet, der Künstler müsse seinen Entwurf in der Gemeinde vorstellen, erklären und verteidigen. „Das ist für alle Seiten spannend, hat aber bisher immer zu einer gemeinsamen Entscheidung geführt.“ Und der Kunstfachmann erklärt das Prozedere: In aller Regel werden drei Künstler aufgefordert, die ein „Anerkennungshonorar“ von 500 Euro erhalten. Nach drei, vier Monaten werden die Entwurfsskizzen vorgestellt. Dazwischen hätten sich die Künstler vor Ort umgesehen, um die Wirkung des Kirchraums zu spüren und eventuelle örtliche Besonderheiten berücksichtigen zu können.

Dahling-Sander spricht von einer „wechselseitigen Annäherung und Abgrenzung“ von Künstler und Gemeinde. Wie Albrecht betrachtet er es als wertvoll, die Kunst in Glaubensfragen einzubinden. Und beide Fachleute berichten, dass die angefragten Künstler zuvor oft ein eher distanziertes Verhältnis zu Glauben und Kirche gehabt hätten. Während der Arbeiten spürten sie aber, dass es um mehr als nur Deko-Objekte gehe. Auch das habe historische Vorbilder: Bis ins Mittelalter waren die Kirchen Hauptauftraggeber der Künstler.

„Bei kleineren Objekten fällt die Entscheidung leichter“, berichtet Albrecht, doch je größer, desto wichtiger sei der Wettbewerb. Grundsätzlich aber spreche für Kunst statt Katalogware, dass es „ein Stück aus unserer Zeit“ sei, aber auch so gut, „dass es zur – oft historischen – Ausstattung der Kirche passe und auf Dauer bleiben könne.

Der Kunstreferent des Landes betont, es gehe dem Amt nicht um Bevormundung. Zwar müssten ohnehin alle Anschaffungen dieser Art rechtlich genehmigt werden, „doch die Entscheidung fällt immer in der Gemeinde.“ Ihm gehe es „um überzeugende Beratung, nicht Vorschrift.“ Auch einen theologischen Vorteil erkennt Dahling-Sander: Die Verständigung zwischen Gemeinde und Künstler erzähle vom Glauben der Beteiligten, womöglich wecke sie ihn gar erst. „Dann wird das Kunstwerk sicher dies auch bei späteren Generationen bewirken“, ist der Stiftungs-Sekretär überzeugt.

Michael Eberstein / Evangelische Zeitung